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sterntaler Moderator


Anmeldungsdatum : 27 Aug 2007 Beiträge : 295
 | Thema: Trading-/Börsenbücher Mi Aug 29, 2007 8:31 pm | |
| In diesem Thread werden börsenrelevante Bücher vorgestellt, am besten natürlich aus der eigenen (Lese-)Erfahrung und mit einer eigenen Einschätzung. Ich persönlich kann die ~ 2,10 m Börsenliteratur in meinem Regal einteilen in (mehr oder weniger) lehrreiche auf der einen und inspirierende Lektüre auf der anderen Seite. Zur Einführung möchte ich einen kleinen Auszug aus einem ganz kleinen Büchlein voranstellen, das ich von einem Freund geschenkt bekam und das nur auf den ersten Blick kein Fachbuch zu sein scheint, jedoch Humor und Ernst sehr unterhaltsam vereint.
Zen an der Börse. Erkenntnisse eines Börsenmaklers (Edward Allen Toppel, Knaur Verlag/Rubrik "Esoterik", zwar von 1994, hat aber nichts von seiner Gültigkeit verloren.) ____________________
Auszug (ab S. 59):
"(...) Beginnen wir mit einem Sehtest. Halten Sie diese Buchseite ein gutes Stück weit von Ihrer Nase entfernt hoch. Lesen Sie nun laut die folgenden Zahlen: 27 - 28 - 29 Sagten Sie siebenundzwanzig, achtundzwanzig und neunundzwanzig? Großartig! Sie haben gerade die zweitschwierigste Prüfung auf dem Weg zum Börsenerfolg bestanden. Und jetzt zum schwierigsten Teil. Betrachten Sie noch einmal die Zahlen und sprechen Sie laut die höchste Zahl. Und jetzt die niedrigste. Welche Zahl befindet sich zwischen beiden Zahlen? Sagten Sie, dass siebenundzwanzig die niedrigste, neunundzwanzig die höchste Zahl sei? Wenn Sie nun auch noch achtundzwanzig als mittlere Zahl angegeben haben, dann haben Sie die Prüfung mit fliegenden Fahnen bestanden! Sie sind auf dem Weg zu großem Erfolg an den Börsen. Sie lachen vielleicht, aber ich meine das todernst. Wenn es wirklich so einfach ist zu erkennen, was die Börse täglich spricht, warum müssen Sie es dann ständig so kompliziert machen? Der Sehtest, den Sie absolviert haben, beweist, dass Sie unterschiedliche Zahlen erkennen können, und der Intelligenztest bezeugt, dass Sie ihre Beziehung untereinander kennen. Glauben Sie mir bitte, wenn ich sage, dass darüber hinaus kein weiteres Wissen an der Börse nötig ist. Diese Prüfung zeigte, dass Sie fraglos zu einer ego-losen Sicht des Marktes fähig sind, einer Zen-Sicht, wenn Sie so wollen. Einer Sicht frei von persönlichem Wunschdenken. Neunundzwanzig ist höher als siebenundzwanzig. Niemand kann darüber streiten. Nicht einmal Ihr Ego, und wenn es sich noch so sehr darum bemüht. Ohne den Schatten eines Zweifels haben Sie bewiesen, dass Sie zwischen Gewinn und Verlust unterscheiden können. Daran gibt es nichts zu rütteln. Absolut nichts. Wenn Sie zum Kurs von siebenundzwanzig kaufen und die Aktie steigt auf neunundzwanzig, dann wissen Sie, dass Sie einen Gewinn verbucht haben. Kein Zweifel. Umgekehrt, wenn Sie das Gegenteil tun, dann wissen Sie, dass Sie einen Verlierer in der Hand halten. Wenn Sie bei neunundzwanzig kauften und der Preis jetzt niedriger notiert, müssen Sie erkennen, dass Sie einen Verlust haben. Vernünfteln Sie nicht, indem Sie sagen, dass Sie erst dann einen Verlust verbuchen müssen, wenn Sie verkaufen. Sagen Sie nicht, Sie wissen, dass der Kurs wieder steigen wird. Sie wissen es nicht. Wenn Sie nun von einer langfristigen Investition sprechen, machen Sie sich nur selbst etwas vor. Das ist nur ein anderer Weg, um nicht mit einem Fehler konfrontiert zu werden. Ihr Ego gibt sich nur der Hoffnung hin und versucht, sich vor dem Schmerz eines Irrtums zu schützen. (...)" |
|  | | sterntaler Moderator


Anmeldungsdatum : 27 Aug 2007 Beiträge : 295
 | Thema: Re: Trading-/Börsenbücher Mi Aug 29, 2007 9:05 pm | |
|  Auch in dem (noch vor dem ersten Band auf Deutsch erschienenen) zweiten Teil von "Magier der Märkte" von Jack Schwager (Interviews mit Tradern), zu dem es in diesem Forum einen supertollen eigenen Thread gibt, geht es in einem Kapitel um ein kurzes Interview mit einem von der Art des Zen geprägten Trader, welches mich zutiefst berührt hat. Nach dem Lesen dieser nur etwa drei Seiten hatte ich das Gefühl, dies war das Sahnehäubchen des gesamten Buches. Aber wohl nicht jede/r kann oder will etwas damit anfangen, dennoch ein kleiner Auszug:
MdM II/Teil VII, (S. 470 meiner "Börsenbuch-Verlag"s-Ausgabe) Die Psychologie des Tradings Ich gebe es aufgrund der Kürze vollständig wieder. Vorwort: "Wir sind dem Feind begegnet - und der Feind waren wir selbst" Dieses berühmte Zitat aus Walt Kellys Cartoon "Pogo" drückt in nur einem Satz am treffendsten aus, was die Kunst des Tradings ausmacht. Immer wieder unterstrichen meine Interviewpartner für dieses und das vorhergehende Buch die entscheidende Bedeutung des psychologischen Elements für den Trading-Erfolg. Wurden sie um eine Erläuterung gebeten, was für den Erfolg an der Börse wichtig sei, nannten die Börsengurus nie Indikatoren oder Techniken, sondern vielmehr Eigenschaften wie Disziplin, Beherrschung der Emotionen, Geduld und die mentale Einstellung zu Verlusten. Die Botschaft ist klar: Der Schlüssel zum Erfolg an der Börse ist in der Persönlichkeit des Traders selbst zu suchen - nicht außerhalb.
ZEN und die Kunst des Tradings Eine der Gefahren, die mit einem Buch wie diesem verbunden ist, besteht darin, dass - nachdem man die mühsame Arbeit bewerkstelligt hat, aus einem weitschweifigen, 250seitigen Manuskript ein gut lesbares 25seitiges Kapitel zusammenzustellen - ein Interviewpartner dann möglicherweise seine Zustimmung zur Verwendung des Materials versagt. [Im Interesse einer Atmosphäre der Offenheit bei meinen Interviews war ich der Meinung, dass es notwendig sei, meinen Interviewpartnern ein Vetorecht einzuräumen.] Einer der von mir interviewten Trader, der für seine Firma schon mehrere hundert Millionen Dollar Tradinggewinn erwirtschaftet hat, vertrat die Ansicht, dass das so entstandene Kapitel, in dem viel von Intuition, Träumen, östlicher Philosophie und Trading-Anekdoten die Rede ist, ein Bild von ihm zeichne, aufgrund dessen ihn seine Firmenkollegen schief ansehen würden. Schließlich konnte ich ihn doch noch dazu bewegen, mir zu gestatten, den folgenden Auszug wenigstens anonym zu verwenden, da ich meine, dass er eine ungewöhnliche Perspektive und einen tiefen Einblick in das Tradinggeschäft bietet. _______________
Ich verstehe Ihre Spekulationsmethode immer noch nicht. Wie konnten Sie durch reines Beobachten des Bildschirms diese enormen Summen verdienen? Ich hatte kein System. Es war nichts anderes als: "Ich glaube, die Kurse steigen - also kaufe ich", und "Sie sind weit genug gestiegen - also verkaufe ich." Eine ausschließlich impulsive Sache. Ich habe mich nicht hingesetzt und irgendeinen Tradingplan ausgearbeitet. Ich weiß nicht, worauf diese Intuition zurückzuführen ist.
Woran erkennen Sie, dass es nicht läuft? Wenn ich drei Mal hintereinander falsch liege, nehme ich eine "Auszeit". Dann führe ich eine ganze Zeitlang Trades nur auf dem Papier durch.
Wie lange dauert diese Phase? Bis ich glaube, dass ich wieder mit der Börse übereinstimme. Jeder Markt hat einen bestimmten Rhythmus; unser Job als Trader besteht darin, mit diesem Rhythmus in Einklang zu stehen. Wenn ich diese Trades (auf dem Papier) durchführe, tätige ich nicht wirklich Geschäfte. Es werden zwar Geschäfte gemacht - jedoch nicht von mir.
Was heißt das: "Nicht von mir"? Das Kaufen und Verkaufen (auf dem Papier) geht weiter, doch es berührt mich nicht. Es ist so, als ob ich als Person und mein Ego gar nicht da wären. Diese Geschäfte stellen für mich nicht einmal eine Genugtuung dar. So objektiv ist das zu sehen. Haben Sie Zen in der Kunst des Bogenschießens gelesen?
Nein; ich muss zugeben, das habe ich versäumt. Der Grundgedanke besteht darin, dass man lernen muss, den Pfeil sich selbst schießen zu lassen. Das Ego ist daran nicht beteiligt. Somit heißt es nicht: "Ich schieße den Pfeil ab, und ich lasse ihn jetzt von der Sehne." Der Pfeil wird vielmehr abgeschossen, und das ist immer richtig. Dasselbe Konzept gilt auch für das Trading. Das Ichgefühl hat dabei nichts zu suchen. Man weiß lediglich, was geschehen wird. Die Kunst besteht darin, eine Unterscheidung zwischen Ereignissen, von denen man wünscht, dass sie eintreten, und Ereignissen, von denen man weiß, dass sie eintreffen, zu treffen. Die Intuition weiß, was geschieht. Für das Trading - wie auch für das Bogenschießen - gilt, dass etwas falsch ist, sobald man sich anstrengen muss, mit Druck dahintersteht, kämpft oder nur etwas versucht. Man ist nicht im Rhythmus - befindet sich mit der Börse nicht in Harmonie. Der perfekte Trade erfordert keine Anstrengung.
Sie sagen, dass Sie wüssten, was geschieht. Können Sie das an einem Beispiel erläutern? Der derzeitige Verfall der Mark gegenüber dem Yen ist etwas, von dem ich einfach wusste, dass es passieren würde.
Vor der Schwäche der Mark gegenüber dem Yen hatten Sie eine ganze Zeitlang in die andere Richtung tendiert. Wie wussten Sie, dass der richtige Zeitpunkt für den Trade gekommen war? Der Auslöser war eigentlich ein Freudscher Versprecher. Ich unterhielt mich mit einem anderen Trader über den Yen/Mark-Kurs, als dieser bei 87,80 lag. Ich sprach immer wieder von einem Kurs von 77,80. Schließlich meinte mein Gesprächspartner: "Was reden Sie denn da?" Mir wurde klar, dass ich mit meinem Kurs um eine zehn vor dem Komma danebenlag. Ganz offensichtlich erwartete ein Teil von mir, dass er auf dieses Niveau fiel. Ich hatte meine innere Erwartung unbewusst artikuliert. |
|  | | sterntaler Moderator


Anmeldungsdatum : 27 Aug 2007 Beiträge : 295
 | Thema: Re: Trading-/Börsenbücher Mi Aug 29, 2007 9:09 pm | |
| ... und wo ich schon dabei bin, zitiere ich noch gleich weiter aus dem Interview mit Ed Seykota. Er bezieht sich auf die völlige Selbstverantwortung des Traders, die nur oberflächlich betrachtet als Widerspruch erscheinen mag zu der Art und Weise des Zen-tradings:
Jede/r bekommt vom Markt das, was er/sie will. Die Aussagen des einstigen Analysten und später trendfolgenden Traders Seykota erscheinen von derselben Art von Ehrlichkeit und zugleich Härte wie sie der Börse selbst zuzusprechen sind (quasi als Spiegel).
"Sie haben sich sehr viel mit Psychologie beschäftigt. Wenn Sie mit einer Person sprechen, können Sie erraten, ob eine Person wahrscheinlich ein Gewinner oder Verlierer im Trading ist? Ja, die Trader, die Gewinner sind, sind gewöhnlich auch seit Jahren Gewinner auf anderem Gebiet.
Auf welche Eigenschaften achten Sie bei der Identifizierung der Persönlichkeit eines Erfolgs-Traders? Erstens, er oder sie liebt das Trading; und zweitens, er oder sie liebt das Gewinnen.
Würden nicht alle Trader gern gewinnen? Gewinnen oder Verlieren, alle bekommen vom Markt, was sie wollen. Es gibt Leute, die gern verlieren, sie gewinnen durch das Geldverlieren." (...)
Im folgenden führt Seykota Beispiele an:
- von einem Trader, der immer kurz vor dem Start eines Bullenmarktes einsteigt und sich von 10.000 Dollar auf eine Viertelmillion hocharbeitet und dann immer wieder alles verliert. "Er liebt die Aufregung, das Gefühl, ein Märtyrer zu sein, das Mitleid, das er von seinen Freunden bekommt und das Gefühl, im Mittelpunkt zu stehen. (...) Zu einem gewissen Grad bekommt er tatsächlich, was er haben möchte." [btw erinnerte mich dieses Beispiel sehr an MdM II, wo im Kapitel über Robert Krausz ein ständig verlierender Trader, der diese Verluste stets verdrängte, unter Hypnose gesetzt wurde ... s.dort S. 514: "Manche Menschen bestrafen sich mit der Börse"]
- von einer Krebskranken, die ihren Zustand benutzte, um Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und alles um sich herum zu dominieren. "Als Experiment nach Absprache mit ihrer Familie erzählte ihr der Doktor, dass es eine Injektion gebe, die sie kurieren würde. Sie hatte ständig irgendwelche Entschuldigungen, um diese Injektion nicht bekommen zu müssen und ging ihr am Ende völlig aus dem Weg. Vielleicht war ihr ihre Macht wichtiger als ihr Leben." (*) ______
Diese Beispiele machen klar, dass das Unbewusste mit allen Verstrickungen und Verflechtungen unserer individuellen Lebensgeschichten aus allem (so eben auch der Börse) das herauskitzelt (die Psychologie kennt den Begriff des "Agierens"), was - u.U. gar nicht - in ihm steckt. Jeder/m allein obliegt es, falls nötig, den geheimen Strukturen unseres Verlierens als einem Gewinnen auf die Spur zu kommen. So z.B. in einem Ansatz, den auch die Psychologin B. Lämmle immer wieder zum Mittelpunkt ihrer Seelenbetrachtungen macht: Was ist der Sinn (i.S. Zusammenhang) des Negativen? Jedwede unerwünschte Seelen- und Lebenszustände erfahren hier eine positive Bewertung/Wertigkeit und Akzeptanz i.S. der organismischen Selbstregulation nach F.S.Perls, wo ja z.B. die Neurose eine äußerst weise und sinnvolle Einrichtung der Seele ist.
Letztlich kann man also wohl Seykotas These, dass man von der Börse das bekommt, was man will, erweitern zu einem Satz, dass man eben vom Leben selbst das bekommt, was man will bzw. "will".
(*) = Zitate aus J. Schwager, MdM I, S. 205, Finanzbuchverlag
Zuletzt von am Mi Aug 29, 2007 9:16 pm bearbeitet, insgesamt 2 mal bearbeitet |
|  | | Atlantis Admin


   Alter : 47 Anmeldungsdatum : 23 Aug 2007 Beiträge : 1225 Arbeit/Hobbies : Börse
 | Thema: Re: Trading-/Börsenbücher Mi Aug 29, 2007 9:15 pm | |
| Eine sehr gute Idee und toll umgesetzt.
Habe selber nie Bücher über Trading oder Börsenpsychologie gelesen. Kann deshalb keine Bewertung abgeben. Ich meine jedoch, es ist eine sinnvolle Investition wer sich intensiv mit Börsen befasst.
Mach weiter so! |
|  | | sterntaler Moderator


Anmeldungsdatum : 27 Aug 2007 Beiträge : 295
 | Thema: Re: Trading-/Börsenbücher Do Sep 06, 2007 2:26 pm | |
| Zur Einführung in die Candlechart-Technik nicht schlecht finde ich ->
Candlestick-Charttechnik von Thomas Gebert und Paul Hüsgen (glaube, inzwischen in der 4. Auflage); da schaue ich sogar heute immer noch mal gern schnell 'rein.
Unschlagbar grundlegend und ausführlich sind jedoch die Veröffentlichungen von Steve Nison, der als einer der ersten die japanische Candle-Technik in die westliche Traderwelt hineingetragen hatte; z.B. sein Hauptwerk:
Technische Analyse mit Candlesticks
Hab's selbst noch nicht ganz ausgelesen, es ist aber ein - wenn nicht DAS - Standardwerk zur Candletechnik. |
|  | | joehans Doppeltop

Anmeldungsdatum : 19 Jun 2008 Beiträge : 24
 | Thema: Re: Trading-/Börsenbücher Mi Aug 27, 2008 6:32 am | |
| Buchbesprechung: Die Strategien der Turtle Trader
Startseite > tradesignal consulting > Newsletter > Buchbesprechung: Die Strategien der Turtle Trader
Im Namen der Schildkröte
Richard Dennis besichtigte in Singapur eine Schildkrötenfarm. Auf die Frage, was er denn gerade mache, antwortete er, er sei damit beschäftigt, Trader heranzuziehen, wie in Singapur die Turtles (Schildkröten) gezüchtet werden. Die Geschichte des Buches begint mit einer grundlegenden Frage: Sind die Fähigkeiten des Menschen Instinkt oder werden sie im Laufe des Lebens erlernt?
Im Jahre 1983 diskutierte der bekannte Futures Spekulant Richard Dennis mit seinem langjährigen Freund William (Bill) Eckhardt über den Ursprung der Fähigkeit „erfolgreich zu traden“. Ist es eine Naturbegabung oder erlernbar? Man wurde sich nicht einig. Richard Dennis war fest davon überzeugt, selbst fachfremden Menschen „erfolgreiches Trading“ antrainieren zu können. Bill glaubte an angeborene Begabung. Um die Wahrheit herauszufinden, schlug Richard eine Wette vor. Der Plan war, eine Gruppe von Tradern zu rekrutieren, diesen eine Strategie an die Hand zu geben und füreinige Zeit ein echtes Konto mit Geld zum Handeln zu überlassen. Das Ergebnis würde die Antwort sein.
Gesagt getan: Schnell waren Anzeigen lanciert, die über 1000 Bewerber anlockten. 80 davon wurden zum Interview geladen und 13 von ihnen schließlich als „Turtles“ ausgewählt. Die Probanden besuchten ein zweiwöchiges Training und begannen im Januar 1984 zuerst einmal mit kleinen Konten zu traden. Nachdem die Turtles bewiesen hatten, dass sie das aufgestellte Regelwerk beherrschten, überwies Dennis 500.000 bis 2.000.000 Dollar auf die jeweiligen Konten.
Das Wunder geschah: Die Turtle Trader erwirtschafteten über die kommenden vier Jahre eine jährliche Rendite von 80% und wurden das berühmteste Trading-Experiment der Geschichte. Richard hatte Recht behalten und bewiesen, dass mit Disziplin und einem einfachen Regelwerk mit Trading-Techniken selbst Menschen ohne Erfahrung zu erfolgreichen Tradern „gezüchtet“ werden können.
Einer von ihnen war der damals 19 jährige Curtis Faith. Er verdiente mehr als 30 Millionen Dollar während des Experimentes. Er wurde damit der erfolgreichste von allen Schildkröten. Das Gelingen führt der Autor in erster Linie auf die Handelspsychologie zurück. Seiner Theorie nach geht es nicht um das Handelssystem, sondern es kommt auf die Fähigkeit des Traders an, das Handelssystem auszuführen. Wesentlich zu seinem Erfolg beigetragen hat vor allem auch der Denkansatz der Spieltheorie. Wie alle anderen musste er sich verpflichten, zwanzig Jahre lang Stillschweigen zu bewahren. Nach Ablauf der Frist veröffentlichte er jetzt als erster der legendären Turtels sein „deutsches“ Buch „Die Strategien der Turtle Trader“ im Münchner FinanzBuch Verlag, welches die Legenden und Gerüchte um diese spektakuläre Geschichte entmystifiziert. Fazit
Curtis deckt das gesamte Experiment auf und erklärt anschaulich, was den Turtles damals gelehrt wurde und wie sie dieses Wissen umgesetzt haben. Gleichwohl verrät Faith Details zu einigen der größten Trades und zu den Regeln, die hinter dem Timing standen. Der Leser bekommt einen guten Eindruck davon, welche Fähigkeiten und welches Wissen nötig sind, um in den internationalen Finanzmärkten Millionen zu verdienen. In seinem Buch legt er nicht nur seine berühmtesten Trades offen, sondern zeigt den Lesern in einfach nachvollziehbaren Schritten wie wirklich jeder, ob Anfänger oder Profi, mit der Turtle-Methode enorme Profite erwirtschaften kann. Gleichzeitig verrät er, warum die meisten Systeme nicht adäquat funktionieren und was genau die Turtle Trader anders machten.
Ein interessantes Buch über die unglaublichen Hintergründe des berühmtesten Trading-Experiments der Geschichte. Bibliographie:
Curtis Faith Die Strategien der Turtle Trader Geheime Methoden, die gewöhnliche Menschen in legendäre Trader verwandeln 359 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag ISBN 3-89879-285-1 Preis: 39,90 € (D); 41,10 € (A); 64,40 CH FinanzBuch Verlag, München 2008 |
|  | | future Moderator


 Anmeldungsdatum : 25 Nov 2007 Beiträge : 313
 | Thema: Re: Trading-/Börsenbücher Fr Aug 29, 2008 11:21 am | |
| hi joehans, hast du das buch gelesen oder es vor zu lesen? hört sich gut an, dein fazit würde mich interessieren. warum es bei den autoren aber immer gleich um millionen gehen muß, würd mich mal interessieren. sicherlich verkauft es sich dann besser. gerade hab ich über die aussage von dem Ed Seykota nachgedacht, was sterntaler weiter unten reingesetzt hat. und ich muß dem widersprechen: ich verliere nicht gerne und bin immer noch am üben und auf der suche nach meinem (technischen) weg.  |
|  | | Kurt Seifert Long-Trader

 Anmeldungsdatum : 23 Dez 2007 Beiträge : 85 Arbeit/Hobbies : Kaufmann mit vielfältigen Hobbies. Bezogen auf dieses Forum: Konservative Chartanalyse.
 | Thema: Day-Trading treibende Schildkröten So Sep 07, 2008 8:46 pm | |
| Das behandelte Experiment gehört zu den beliebesten Erfolgsgeschichten der Technischen Analyse überhaupt. Vieldutzendfach in der einschlägigen Literatur behandelt. Stets mit sehr ausführlichem Schwerpunkt auf die mentale Befindlichkeit des erfolgreichen Traders. In der Regel schon sehr viel weniger konkret, wenn es um die angewandte Handelstechnik geht und völlig nebelös, sobald man sich für Einzelheiten bezüglich der abgeschlossenen Trades wie Kauf- und Verkaufdatum interessiert. Meistens erfährt man nur die Ergebnisse. Bestenfalls erfährt man, _was_ gehandelt wurde, mit Glück auch noch, in welchem Jahr. Die Ergebnisse sind natürlich in der Tat beeindruckend. Sollte dieses Buch von diesem üblichen Level positiv abweichen, bitte ich um Nachricht. Kurt |
|  | | Kurt Seifert Long-Trader

 Anmeldungsdatum : 23 Dez 2007 Beiträge : 85 Arbeit/Hobbies : Kaufmann mit vielfältigen Hobbies. Bezogen auf dieses Forum: Konservative Chartanalyse.
 | Thema: Grundlagen-Literatur So Sep 07, 2008 9:56 pm | |
| ...und bin immer noch am üben und auf der suche nach meinem (technischen) weg. <<
Das allein halte ich bereits, mit Erlaubnis, für einen bemerkenswert guten Ansatz.
Du suchst Deinen technischen Weg. Das ist gut so. Die meisten suchen nämlich den technischen Weg. Nach meiner unmaßgeblichen Meinung gibt es keinen generellen Königsweg zum Anlage-Erfolg. Sondern nur individuelle Lösungen, stets geformt durch persönliche Überzeugungen, Einsichten, Ansichten und Vorlieben (ich nenne diesen Punkt sehr bewußt an erster Stelle), persönliche Zielsetzungen, persönliche Risikobereitschaft, verfügbares Kapital und verfügbare Zeit. In diesem Rahmen könnte es soviele Erfolgswege wie Börsenteilnehmer geben.
Dabei geht es stets nur darum, eine für sich selbst als passend empfundene Methodik zu entwickeln, die eine erhöhte Erfolgswahrscheinlichkeit aufweist. Diese läßt sich leicht dadurch ermitteln, daß man sich bei ihrer Anwendung wohl fühlt und im Jahresdurchschnitt die Gewinne die Verluste deutlich übersteigen.
Nachfolgend vier Buch-Empfehlungen für den fortgeschrittenen Trader, der das Stadium des Schnell-Reich-werden-Wollens bereits hinter sich hat.
Benjamin Graham, Geheimnisse der Wertpapieranalyse, u. a. im Finanzbuchverlag erschienen.
Ein umfangreiches und schrecklich langweiliges Buch zur Fundamentalanalyse, das ich trotzdem jedem Anhänger der Technischen Analyse empfehle, weil es davor bewahren kann, eine bloße Chartkurve zu kaufen. Es lebt sich in kritischen Phasen ruhiger, wenn man weiß, was man gekauft hat.
Richard W. Schabacker, Technical Analysis and Stock Market Profits, Pearson Education Print on Demand Edition, über Amazon beziehbar. Leider nur in englischer Sprache erschienen.
Dies ist der Urvater der Technischen Chartanalyse, von dem alle nachfolgenden Themenbearbeiter nur abgeschrieben haben.
Ich beschränke mich im Folgenden auf solche, die dies wenigstens gut gemacht haben.
Robert D. Edwards/John Magee, Technische Analyse von Aktien-Trends, u. a. im Hoppenstedt-Verlag erschienen.
Der Klassiker (Robert D. Edwards war übrigens Schabacker's Schwiegersohn.-). Sehr gute Grundlagen-Literatur zur Chartanalyse.
Dr. Walter Frühling, Investieren mit Aktien-Charts, 2-bändig, Hoppenstedt-Verlag, nur noch antiquarisch erhältlich, dies aber bei ebay und verschiedenen Online-Antiquariaten recht regelmäßig und sogar für wenig Geld.
Ich gestehe, daß Dr. Frühling, mein persönlicher Guru ist. Er erklärt die Technische Chartanalyse sehr ausführlich und unspektakulär an Beispielen deutscher Aktiencharts aus den 60er und frühen 70er Jahren. Ich habe zu diesem Börsen-Zeitraum bereits eine persönliche Beziehung, da meine ersten Akien-Käufe und -Verkäufe in 1966 fielen.
Der Wert dieser demonstrierten Chartanalysen (Band 1 enthält die Beschreibungen und Kommentare, Band 2 die dazugehörigen Charts mit entsprechenden Einzeichnungen der Analyse auf doppelseitigen Charts) liegt für mich hauptsächlich darin, daß da nicht ein "Klugsch...er" hinterher erklärt, wie's geht, damit man am Tiefstpunkt ein- und am Höchstkurs aussteigt, sondern, hier wird wirklich eine Analyse im Zeitfortschritt betrieben, d. h. unter Einbeziehung aller Irrtümer und Gefahren, die sich daraus ergeben, daß der wirklich interessante Teil eines Charts stets jenseits seines rechten Randes liegt.
Kurt |
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