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| | Der disziplinierte Trader | |
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| Autor | Nachricht |
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Atlantis Admin


   Alter : 47 Anmeldungsdatum : 23 Aug 2007 Beiträge : 1225 Arbeit/Hobbies : Börse
 | Thema: Re: Der disziplinierte Trader Mi Apr 30, 2008 8:18 am | |
| Hallo In den Beiträgen stehen die unterschiedlichsten, belastenden Faktoren, die uns am Erfolg/Gewinn hindern.
Der Schlüssel zum Erfolg liegt also nicht an fehlender Börsenerfahrung sondern in der eigenen Disziplinlosigkeit oder etwas positiver ausgedrückt, am Zweifel des eigenen Könnens und Meinung gegenüber dem Gesamtmarkt.
Belastungsfaktoren sind, ANGST Eine Chance zu verpassen. Wieder eine Verlust zu generieren. Der Markt könnte wegen News, Wirtschaftsdaten drehen. Selbstzweifel
GIER Eine Chance zu verpassen Position zu groß Hochspekulative Optis/Zertifikate Alles oder nichts
SUCHT Zu viel, zu lange am PC Zu viele unterschiedliche Aktien Keine Chance zu verpassen
Leitfaden: Als nächstes Kapitel werden wir auf die daraus resultierenden Zwänge von ANGST, GIER, SUCHT, in einer hoffe ebenso regen und ehrlicher Diskussion eingehen.
Nebenbei möchte ich erwähnen, dass es keinen Fehler an der Börse gibt, den ich nicht aus eigener Erfahrung kenne. |
|  | | Kurt Seifert Long-Trader

 Anmeldungsdatum : 23 Dez 2007 Beiträge : 85 Arbeit/Hobbies : Kaufmann mit vielfältigen Hobbies. Bezogen auf dieses Forum: Konservative Chartanalyse.
 | Thema: Re: Der disziplinierte Trader Mi Apr 30, 2008 9:59 pm | |
| Noel,
>>... personalisiere weil es „meine“ Ansicht ist die ein Investment einleitet. Vollzieht sich eine in die Zukunft gerichtete Entwicklung nicht wie gedacht, so ist es „meine“ Fehleinschätzung. Mit meinen Engagements möchte ich (wer nicht) seinen Kapitalstock vermehren nicht dezimieren...<<
Ich möchte weder in den Verdacht der Rechthaberei noch in den der Wortklauberei geraten, aber ich bin, entschuldige bitte, in der Sicht und Bewertung der Situation unverändert anderer Meinung als Du. Was mich stört, ist, daß Du eine Fehlentwicklung eines Engagement mit _persönlichem_ Versagen gleichsetzt. Mit allen Folgen für die Psyche: Selbstzweifel, Selbstvorwürfe, Selbstdemontage.
Wenn man eine falsche Entscheidung getroffen hat, ist es _natürlich_ die eigene Entscheidung und der eigene Fehler und der _eigene_ Geldverlust. Das ist schlimm genug. Aber es ist _kein_ persönliches Versagen in dem Sinne, daß man Unfähig ist, oder in dem Sinne, daß man auch künftig keine vernünftige Anlageentscheidung hinbekommt. Es ist eine Fehlentwicklung die man persönlich akzeptieren muß, aber die keinen Grund bietet, mit sich persönlich zu hadern.
Ich schrieb schon und will es deshalb nicht groß wiederholen: Man muß analysieren, warum das Investment nicht geklappt hat. Ich meinte Sachanalyse und nicht Bauchnabelbeschau der eigenen Psyche.
Ich schrieb schon und will es nochmals ausführlich wiederholen: Der Fehler beginnt bei einem schlechtlaufenden Engagement, sobald dessen Fehlentwicklung sichtbar wird. Den einfach erkennbaren Eintritt dieser Situation bitte nicht relativieren, bitte nicht künstlich verkomplizieren. Die Fragen lauten einfach:
Was hat man getan, als die neue Position bereits nach 2 Tagen mit minus 8% dastand?
Was hat man getan, als sie nach einer Woche mit 15% im Minus war?
Was hat man getan, als sie nach 3 Wochen mit minus 35% den Depotbestand und die Nerven unerträglich belastete?
Wenn es so weit oder schlimmer kam, kann die Antwort nur lauten:
Man hat _nichts_ getan.
Man hat dagesessen und zugeguckt. Und in der Tat:
DANN HAT MAN VERSAGT.
_Das_ ist der Punkt, der absolut unakzeptabel ist. Nicht die Tatsache, daß man drei-, vier-, fünfmal danebengriff.
>>…ab wann habe ich objektiv eine Fehlentwicklung erkennen können? ...muss für beide Richtungen gelten. Nicht nur – ab wann ist eine Fehlentwicklung erkennbar (um möglichst früh glatt zu stellen), sondern auch – wie lange ist es vertretbar einen positiven Verlauf im Markt zu lassen? Wie du weißt werden mit den Gewinnern die Verlierer bezahlt, obendrauf soll nach Möglichkeit auch noch ein Gewinn verbleiben, dies geht jedoch nur wenn man die Gewinner auch laufen lässt.<<
Es gibt bei positiver Entwicklung keine Fehlentwicklung, keine Gewinnziele (in diesem Punkte gibt es andere Standpunkte, die ich aber für unzweckmäßig halte) und schon gar keine Laufzeitbegrenzung, über die man sich Gedanken machen müßte.
Es gibt im Gewinnfalle jedoch die Gefahr, daß einem nachträglich wieder die Butter vom Brot genommen wird. Wenn man mit 40% im Plus stand und letztendlich mit kleinem Verlust glattstellt, dann kann dies nur passieren, weil man die elementare Regel, einen Teil der angefallenden Buchgewinne mit nachgezogener Stop-Order abzusichern, unbeachtet ließ.
Natürlich, da sind wir beide völlig einig, muß man die Gewinne laufen lassen. Dies heißt jedoch nicht, daß man den Kurs machen lassen darf, was er will. Wenn eine Korrektur mehr als 1/3 eines namhaften, aufgelaufenen Gewinnes wieder einkassiert hat, sollte man nicht zugucken und auf besseres Wetter hoffen, sondern Kasse machen. Man risikiert auf der einen Seite nur zweimal zusätzliche Orderkosten, wenn es sich zeigen sollte, daß der Trend weitergeht, auf der anderen Seite riskiert man jedoch seinen restlichen aufgelaufenen Buchgewinn.
Wem dies zu schematisch, zu unqualifiziert positionsorientiert, zu untechnisch ist, empfehle ich das Arbeiten mit ganz einfachen Fibonnaci-Strukturen. Wenn von dem letzten Trendschub mehr als 38,2% korrigiert wurden, sollte man nicht testen ob die Korrektur auch noch bis 50% oder gar 61,8 % weit reicht, sondern rausgehen. Denn wenn sich eine solche stärkere Korrektur entwickelt, besteht zwar rein technisch ein intakter Trend fort, aber die Korrekturstärke verrät dennoch bereits erste Schwäche und es gibt wahrscheinlich bessere und sichere Alternativen zu diesem schwächelnden Engagement.
Kleine Verluste sind normal. Große Verluste sind ein Zeichen für eine fehlerhafte technische Handhabung eines Trades. Die künftig richtige Abwicklung ist handwerklich erlernbar und hat nichts mit der eigenen Persönlichkeit zu tun.
Kurt |
|  | | sterntaler Moderator


Anmeldungsdatum : 27 Aug 2007 Beiträge : 295
 | Thema: Re: Der disziplinierte Trader Fr Mai 02, 2008 4:03 pm | |
| noch einmal zurück zu Kurts Anmerkung -> Ich bestreite diesen Stressfaktor "Zeit", sowohl auf die eher kurze Zeitspanne eines einzelnen Börsengeschäftes bezogen, als auch in der von Dir angesprochenen Langzeit-Perspektive. Wenn es in Stress ausartet (s.u.), läuft wohl tatsächlich etwas falsch. Ich meinte das auch eher in dem anspornenden Sinne von "time is money". Mit "Zeit bezahlen" tut man an der Börse wohl immer, selbst dann, wenn man gewinnt (es sei denn, der Gewinn steht überproportional im Verhältnis zur Zeit) - die generierten Gewinne dauern ihre Zeit, und bis zum SL dauert es halt auch u.U.; und bei einem eventuellen Aussitzen kanns noch viel länger dauern (evtl. Jahre), und da kommt dann auch der "Inflations"aspekt (den ich mal spaßeshalber so nenne); die Psyche ins Spiel, es scheint mir, sie "verarbeitet" diese Zeit ... macht etwas damit, bzw., die Zeit macht etwas mit ihr: zu lange dauernde Verluste sind da ebenso schädlich wie zu schnelle Gewinne (letztere werden wohl oft deshalb wieder abgegeben werden, weil die Psyche so schnell keinen Bezug zu dem gewonnenen Geld aufbauen kann und es darum quasi nicht richtig exitsiert). Zu lange dauernde Verluste überschreiten irgendwann die Toleranzgrenze. Das mit der längerfristigen Performance würde ich so nicht sagen (denn ich habe es schon erlebt).
Aber das mit dem "Stress"faktor Zeit möchte ich wie gesagt noch ändern (an den Automatismen selbst kann man wohl nichts ändern, höchstens an der eigenen Umgehensweise damit ... ich will den Umgang mit Zeit an der Börse nicht mehr als stressig empfinden müssen. |
|  | | Noel Moderator

 Anmeldungsdatum : 27 Aug 2007 Beiträge : 403
 | Thema: Re: Der disziplinierte Trader Sa Mai 03, 2008 10:00 pm | |
| Guten Abend Kurt,
ich möchte mich mit meiner Antwort auf deinen letzten Satz reduzieren:
**…hat nichts mit der eigenen Persönlichkeit zu tun…
Die guten, sowie schlechten Eigenschaften und auch Psyche einer Person machen dessen Persönlichkeit aus. Meine Meinung: Nicht jeder ist für alles geeignet, entweder psychisch, körperlich, oder geistig intellektuell (nicht gleichbedeutend mit dumm). Bis zu einem gewissen Niveau kann man fehlende Eigenschaften anlernen. Angeeignete Eigenschaften (nicht uns inneliegende Eigenschaften) bedürfen jedoch der mehrfach positiven, bestätigten Erfahrung um angenommen zu werden. Dafür ist die Börse ein denkbar schwieriger Ort wo die Irritationen ausschliesslich auf die Psyche zielen. Eine Odysse aller Gefühlslagen.
Grüße _________________ Noel |
|  | | Kurt Seifert Long-Trader

 Anmeldungsdatum : 23 Dez 2007 Beiträge : 85 Arbeit/Hobbies : Kaufmann mit vielfältigen Hobbies. Bezogen auf dieses Forum: Konservative Chartanalyse.
 | Thema: Re: Der disziplinierte Trader Mo Mai 05, 2008 10:25 pm | |
| Noel,
ich möchte eigentlich weg von den psychologischen Aspekten. Einmal weil sie sich in personalisierter Form für ein öffentliches Forum nur bedingt eignen. Dann weil ich mich nicht kompetent fühle. Schließlich weil ich Deine Sicht nicht bestätigen und meine nicht vermitteln kann.
Deshalb ein an Dich wie alle anderen Mitglieder gerichteter Vorschlag: Laßt uns eine Aktie, ich mache bewußt keinen Vorschlag, auswählen und jeder schreibt, wie er den Versuch, mit diesem Wert Geld zu verdienen, angehen möchte. Wann er kauft und verkauft, virtuell aber taggleich, und warum. Warum er sich nicht engagiert. Wann er sich engagieren würde, und warum. Wie er die Aktie charttechnisch _und_ fundamental _und_ marktstimmungsmäßig beurteilt. Welche Folgerungen er aus seiner persönlichen Recherche zieht, wie ihn seine Bewertung zu seinen Entscheidungen hinführt.
Kurt |
|  | | sterntaler Moderator


Anmeldungsdatum : 27 Aug 2007 Beiträge : 295
 | Thema: Re: Der disziplinierte Trader Di Mai 06, 2008 1:08 pm | |
| @Kurt ich möchte eigentlich weg von den psychologischen Aspekten Mir geht es ähnlich wie Noel und zugleich verstehe ich auch Dich; ich möchte eigentlich auch weg von den psychologischen Aspekten - nicht nur i.S. des Diskutierens, sondern i.S. von selbst "weg kommen können" (i.S. einer Heranreifung, Befähigung, die Börsendinge unemotionaler/rationaler angehen zu können). Aber letztlich ist es genau das, um das es geht; ich kann nicht so ganz einfach unemotional über meine Emotionen steigen, weil eben dies wieder eine emotionale Sache wäre, die tatsächlich nur bedingt in ein Forum gehört (hier gebe ich Dir Recht), weil man sie nämlich nur selber angehen kann und kognitive Prozese, und sei es im noch so wohlmeinenden Ausausch mit anderen, dabei nicht weiterhelfen. Ich weiß, wovon ich spreche, denn an Emotionen "scheiterte" mein Börsencoaching: Kognitiv hatte ich alles prima drauf, die Probleme lagen woanders. Naja, "scheitern" ist wohl zu viel gesagt. Im Nachhinein habe ich daraus noch das meiste gelernt.
Darum möchte ich zu Deinem Vorschlag sagen: Eigentlich ist er ganz prima (aber nur, wenn man es "kognitiv" angehen könnte!!!) und man könnte dann auch viel von der Sichtweise anderer lernen in diesem Austausch, da jeder dieselbe Aktie wohl etwas anders angehen würde (Deinen Vorschlag finde ich von daher echt super + ich würde sofort mitmachen!!!) Aber ich fürchte dennoch, emotional würde dabei nicht das herauskommen, was Du im Sinn hast ... womöglich würde es in eine Katastrophe münden (wiederum: ich sage das, weil ich's erfahren hab'/musste, denn es gab bei jenem Coaching mehrere Teilnehmer). Es könnte in einen (natürlich nicht intendierten, klar!) Wettstreit ums Recht-Haben beim trade (setup) münden, und sei er auch noch so unausgesprochen und unintendiert und geheim, evtl. sogar nur unterbewusst ... so würde es aber wie gesagt möglicherweise wieder bei Emotionen enden, die es jedoch auszuschalten gilt, wobei sich die Katze spätestens hier endgültig in den Schwanz beißen dürfte.

Es kommt mir vor, als bedürfte es zum Ausschalten von Emotionen anderer Mittel ... zumindest scheinen Emotionen ein Lernen in dieser Art auszuschließen / zu verhindern, was ich natürlich schade finde. Wobei es darüber hinaus eine Frage ist, ob solches Lernen (also: Lernen am setup) überhaupt noch nötig ist, denn wie Probleme liegen woanders ... ... hier kommt wieder die Katze ins Spiel.
Aber abgesehen von all dem könnte man auch "sogar" kognitiv anderer Ansicht sein - schließlich liest man ja immer wieder, dass es beim Traden nicht um irgendein Setup geht, sondern dass langfristiger Erfolg einzig und allein auf einem konsequenten Risk-/Moneymanagement beruht. Das heißt, man könnte also irgendetwas traden und wäre mit gutem RM/MM erfolgreich. Aber wer traut sich schon zu, wie der Affe mit dem Wurfpfeil zu hantieren bei "wichtigen" Entscheidungen!?! Wahrscheinlich liegt es in der Natur des Menschen, wissen zu wollen, was man da tut, oder es sich zumindest einzubilden, mit der Konsequenz, sich sicherer zu fühlen - was wiederum eine emotionale Sache ist. Womit wir wiederum hier sind ... ->

________
"Der einzige Grund zu handeln ist, Geld zu verdienen. Es geht nicht darum, Recht zu haben ." (Tom Bulkowski) |
|  | | Kurt Seifert Long-Trader

 Anmeldungsdatum : 23 Dez 2007 Beiträge : 85 Arbeit/Hobbies : Kaufmann mit vielfältigen Hobbies. Bezogen auf dieses Forum: Konservative Chartanalyse.
 | Thema: Re: Der disziplinierte Trader Di Mai 06, 2008 2:55 pm | |
| Es liegt mir fern und ist mir wesensfremd, jemanden zusätzlich "zu stressen". Kurt |
|  | | sterntaler Moderator


Anmeldungsdatum : 27 Aug 2007 Beiträge : 295
 | Thema: Re: Der disziplinierte Trader Di Mai 06, 2008 3:48 pm | |
| Weiß ich doch (dass es nicht so gemeint war). :look: Es ist wohl bei mir nur so, dass ich anders ticke als viele (oder: die meisten?!?) Marktteilnehmer, ich bin weniger rational. Habe z.B. auch nicht VWL, BWL oder sonstwas studiert, oder bin aus dem Börsen- oder Bank- oder sonst einem mathematischen Fach, bei dem es um logisches Denken/Rationatität geht (hab' mir das Bisschen, was ich zu wissen glaube, selbst angeeinget). Aber ich enthalte mich gern bei dem Spiel und will keineswegs im Weg stehen ... macht ruhig; ich schaue gern zu. Interessant ist es ja!
:look: |
|  | | Noel Moderator

 Anmeldungsdatum : 27 Aug 2007 Beiträge : 403
 | Thema: Re: Der disziplinierte Trader Mi Mai 07, 2008 10:33 am | |
| Da es so schön passt hier..... TRADERS~ Interview (Teil1 - da der Gesamtbeitrag zu lang ist für ein Posting)
Joe Ross
„Wir alle können Trader sein!
Joe Ross ist für Trader so etwas wie Warren Buffet für Investoren. Beide sind Mitte 70 und blicken auf eine lange Markterfahrung zurück. Sie besitzen ein klar definiertes, breites Wissen und tiefe Kenntnisse ihres Geschäfts. Ein Unterschied ist, dass Joe Ross sehr darum bemüht ist, sein Wissen zu teilen und an andere weiterzugeben. Anders als Buffett hat er viele Bücher geschrieben und hält überall auf der Welt Seminare ab. Er sagt, wenn er aus jemandem einen besseren Trader machen kann, hat er etwas besondres erreicht. Auf seiner Website www.tradingeducators.com stellt er eine Menge an kostenloser Information zur Verfügung.
Mit TRADERS~ Redakteur Felix Albus hat er sich über mehr als 50 Jahre Trading, harte Entscheidungen und die Ordnung der Märkte unterhalten. Diese stets fröhliche und freundliche Persönlichkeit wird ihrem Ruf wirklich gerecht.
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TRADERS: Du hast in den Fünfzigerjahren mit den Trading begonnen. Das ist unvorstellbar lange her. Wie überhaupt gelangte damals irgendjemand zum Trading? Wie wusstest Du, dass es so etwas gegeben hat? Hast Du in der Branche gearbeitet oder war es ein privates Unterfangen?
Joe Ross: Mit 14 Jahren habe ich mich erstmals für Trading interessiert. Der Vater meines besten Freundes war Händler am Aktienmarkt. Er war immer zu Hause, sie hatten eine Menge Geld und da wusste ich, dass das genau mein Ding ist. Ich wusste aber nicht, dass es Futures gab. Das habe ich erst mit 22 herausgefunden. Ich ging nach New York, um dort bei meinem Großonkel zu leben. Er ist Trader gewesen und hatte einen Platz an der Baumwollbörse. Genau da wusste ich, dass ich genau das machen möchte.
TRADERS: Du schienst also die richtigen Verbindungen zur Branche gehabt zu haben.
Ross: Richtig. Es war pures Glück, dass es so gekommen ist, aber es kam so. Ich habe anderthalb Jahre bei ihm verbracht und er lehrte mich das Handeln. Er hat mir nicht exakt beigebracht, wie Trading im Ganzen funktioniert, bis ich es selbst herausgefunden hatte, aber ich lernte von ihm, worum es ging. Das war sehr wichtig, vor allem um die Spielregeln zu kennen und wie das ganze Geschäft läuft. Er brachte mir die ganzen wichtigen Dinge bei, einschließlich Disziplin.
TRADERS: Du hattest praktisch von Beginn an den richtigen Mentor.
Ross: Ja.
TRADERS: Und wie funktioniert Trading im Ganzen? Ist es nur eine Frage der Disziplin oder gibt es da noch etwas anderes?
Ross: Ich würde sagen, dass 80 bis 90~ Prozent in dir drin sind. Es ist in deinem Kopf und in deinem Herzen. Du musst eine Leidenschaft für diese Sache haben und viele Dinge, wi Angst, Gier, Selbstsucht und Stolz überwinden.
TRADERS‘: Ich glaube, dass es am Anfang hart für Dich gewesen sein muss, durchzuhalten. Wie hast Du das geschafft?
Ross: Es war gar nicht so hart, denn damals gab es keine Möglichkeit, den ganzen Tag dazusitzen und zu traden. Die Trades wurden immer erst am folgenden Tag, basierend auf den Preisen des aktuellen Tages, gemacht. Ich habe also immer nach Marktschluss meinen Broker angerufen, um die Preise zu erfahren.
TRADERS‘: Welches Jahr ist das gewesen?
Ross: Ich habe 1957 mit Trading begonnen.
TRADERS‘: Wie lange hat es gedauert, bis Du ein erfolgreicher Trader geworden bist?
Ross: Das erste Jahr lief einigermaßen gut, das zweite war schon schwieriger. Ich hatte nicht so viel Glück. Nach drei Jahren war ich zufrieden. Ich würde nicht sagen, dass ich schon im ersten Jahr erfolgreich gewesen bin, denn obwohl ich positiv gewirtschaftet habe gab es noch einiges, daß ich lernen musste. Der Erfolg stellte sich nach drei Jahren ein, als ich mich für kompetent genug hielt und wusste, dass ich es kann.
TRADERS‘: Wie teuer war es bis dahin für Dich? Hast Du viel Geld verloren oder ganze Konten geleert?
Ross: Ich habe noch nie ein Konto geerdet. Ich habe mit 5000 Dollar angefangen, was heute bestimmt so wie 50000 Dollar oder sogar noch mehr ist. Ich glaube, tiefer als 2700 Dollar bin ich nie gesunken. Von da an bin ich gewachsen.
TRADERS‘: Hattest Du nie mal irgendetwas anderes machen wollen außer zu traden oder gab es da andere Dinge, mit denen Du Dich in all der Zeit beschäftigt hast?
Ross: Oh ja, ich habe einiges gemacht, ich habe eine Menge Firmen betrieben. Denk daran, dass es damals kein Daytrading, wie wir es heute kennen, gegeben hat. Alles, was man tat, war, die Trades für den nächsten Tag zu planen, wenn man am Abend die Preise bekam. Ich lernte, wie man Computer bedient. Ich habe für die Transamerica Corporation gearbeitet und mir deren Arbeitsweisen angeeignet. Danach wurde ich selbständiger Programmierer. Ich habe alles programmiert, was irgendwer zu programmieren hatte. Ich hatte ein Import-Export-Unternehmen und bin eine Weile im Auktionsgeschäft gewesen. Ich habe ein Gerät zum Desodorieren erfunden und es vermarktet, hergestellt und installiert. Als dann 1981 Daytrading möglich wurde habe ich sofort mit Vollzeit-Trading begonnen und meine Firmen verkauft. Ich hatte außerdem ein Chemieunternehmen, dass ich ebenfalls verkauft habe, nur um Vollzeit-Trader werden zu können.
TRADERS‘: Zurück ins Jahr 1957. Wie sah Dein Trading damals aus? Hast Du Dir Charts selbst gezeichnet oder vielleicht nicht mal welche benutzt?
Ross: Ich hatte einen Chart-Dienst. Sie schickten mir einmal pro Woche einen Chart und den habe ich dann täglich per Hand aktualisiert.
TRADERS‘: Dann hattest Du schon Ahnung davon, wie man Trends handelt?
Ross: Absolut. Das ist das, was mir mein Großonkel beigebracht hat.
TRADERS‘: Welche sind die wichtigsten Einsichten und Gedanken gewesen, die Du lernen musstest, um dieses Handwerk zu meistern?
Ross: Ich musste lernen, die Wahrheit im Markt zu erkennen. Ich musste lernen, dass zu traden, was ich sah — nicht das, was ich mir dachte. Jedes Mal, wenn ich mir einen Chart angesehen habe, habe ich dazu gleich eine gewisse eigene Meinung geformt, aber meine Meinung war nie gut. Sie war genau so schlecht wie die Meinungen aller anderen und deswegen musste ich lernen, sie zu verwerfen. Ich habe das hinbekommen, indem ich meine Meinung immer wieder aufgeschrieben habe, um sie irgendwie auszudrücken. _________________ Noel
Zuletzt von Noel am Mi Mai 07, 2008 10:38 am bearbeitet, insgesamt 2 mal bearbeitet |
|  | | Noel Moderator

 Anmeldungsdatum : 27 Aug 2007 Beiträge : 403
 | Thema: Re: Der disziplinierte Trader Mi Mai 07, 2008 10:34 am | |
| (Teil2) Dann hab ich den Zettel weggeworfen und das getradet, was ich sah. Und ich lernte bereits an sehr früher Stelle, vorsichtig zu sein, denn es gab wie gesagt kein Daytrading und ich hatte genügend Zeit zum Nachdenken. Es gab nicht viele Märkte und diese Märkte haben sich die längste Zeit in ausgeprägten Trends befunden. Es war einfacher, als es heute ist. Es war aber auch viel teurer als heute. Die Gebühren für einen einzigen Round-Turn haben 125 Dollar betragen, also wollte man auch hoffentlich richtig liegen. Man lag jedoch meistens richtig, denn die Märkte wurden von den Interessen der Wirtschaft kontrolliert. Sie wussten, wie man einer Trend am Markt für viele Monate intakt hält. Es gab viel weniger Rauschen. Auf der ganzen Welt gab es vielleicht 20 000 Future-Trader. Die meisten waren natürlich Profis.
TRADERS‘: Ganz allgemein, ist Trading nun ein Handwerk oder Kunst?
Ross: Für mich sind das zwei sehr ähnliche Worte. Trading ist ein Handwerk. Man muss es erlernen, genauso wie man das Handwerk eines Schusters, Metallarbeiters oder Zimmermanns erlernen muss. Manche Menschen sind allerdings dazu in der Lage, ihr Handwerk auf die nächste Stufe zu heben. Das ist die Kunst. Es gibt also so etwas wie eine Gabe oder ein Talent. Ich gebe Dir mal ein gutes Beispiel. Viele Leute können Klavier spielen und manche sogar sehr gut, aber eine ganz kleine Anzahl sind virtuos. Es gibt Menschen die ihr Handwerk zu einem höheren Niveau befördern können, wo es für sie zur Kunst wird. Sie sind nicht einfach nur technisch versiert. Sie treten darüber hinaus und spielen aus ihrer Seele. Es kommt aus ihrem inneren. Sie sind kreativ interpretativ und so weiter, Ich denke, dass so ziemlich jeder das Handwerk des Trading erlernen kann, aber bei Zeiten findet man jemanden, der sehr talentiert ist und es zur Kunst entwickelt.
TRADERS‘: Was denkst Du von Dir selbst, wenn ich fragen darf. Bist du Handwerker oder Künstler?
Ross: Ich denke ich bin Künstler. Aber das habe ich auch nicht schon immer gewusst. Es hat sich nach langer Zeit herausgestellt. Ich habe das richtige Gespür für den Markt und verstehe, was da passiert, obwohl mir das nie jemand beigebracht hat oder ich darüber gelesen habe. Selbst mein Großonkel konnte mir das nicht beibringen. Er konnte mir dieses gewisse Etwas nicht geben. Das kam von selbst.
TRADERS‘: Du sagtest, dass Du mit Vollzeit-Trading 198 begonnen hast. Welche Methoden oder Systeme hast Du von da an benutzt?
Ross: Keine. Ich habe nie Methoden oder Systeme benutzt; und tue das auch heute nicht. Wir haben ein paar Methoden. Manchmal handle ich diese auch. Für mich gibt große Unterschiede zwischen Methode und System. Methoden sind interpretativ und diskretionäre Systeme werden blind gehandelt. Man kann viele Systeme innerhalb einer Methode haben, aber niemals eine Methode innerhalb eines Systems. Das mag sich verrückt anhören, aber ich habe mich gedanklich damit sehr intensiv auseinandergesetzt, weil ich manche Dinge auf eine sehr präzise Art und Weise definiere.
Das Besondere an einer Methode ist, dass sie diskretionär ist. Man kann eine Methode jederzeit ändern, wenn man sie den Marktgegebenheiten anpassen möchte, wohingegen ein System nur sehr schwer zu verändern ist. Mein Ansatz ist immer der gleiche gewesen. Den Ansatz, den mir mein Großonkel beigebracht hat, ist der gleiche, den ich heute benutze: Die Märkte studieren, sich an den verschiedensten Märkten nach Gelegenheiten umsehen und dann einen Trading-Plan entwerfen, der sich diese Gelegenheiten zu Nutze macht.
TRADERS‘: Erzähl mir doch bitte noch ein wenig mehr. Wie sieht Deine Arbeit im Alltag aus?
Ross: Ich verbringe vielleicht 80 bis 90 Prozent meiner Zeit mit Ausschau Halten und nur zehn Prozent der Zeit mit dem tatsächlichen Handel. Ich mache mehr Geld damit, wenn ich weniger handle, als ich jemals machen konnte, als ich mehr handelte. Ich suche den Trade, der meinen Namen trägt, der meine Kriterien erfüllt. Wenn ich ihn gefunden habe, dann nehme ich ihn wahr und beute diese Marktsituation aus.
TRADERS‘: Versuchst Du dabei, ein bestimmtes Muster zu entdecken? Wie kommt der Moment des Einstiegs zustande?
Ross: Meistens ist es entweder eine Chartmuster oder ein Set-Up, das ich im Chart sehe. Ein Beispiel für ein Set-Up ist ein Reversal Bar (Umkehrbalken) am Ende eines Kursswings oder Trends. Dies ist ein Set-Up, das ich gerne handle. Ich habe fünf Set-Ups, die ich zum Handeln benutze. Ein Chartmuster, nach dem ich Ausschau halte, ist zum Beispiel das 1-2-3-Low, der Trader‘s Trick. Wenn ich das sehe, dann platziere ich einen Trade. Neulich gab es ein wunderschönes Exemplar im T-Bond Future.Punkt 1 entstand am 20. Februar, einem Mittwoch. Dieses 1-2-3-Muster erschien auf dem Tageschart. Was ich als Trader’s Trick bezeichne, war der Einstieg am 26. Februar zu einem Kurs von 115,09. Der Markt hat sich sofort nach oben bewegt. Das gefiel mir. Ich mag explosive Momentum-Trades. Es ging sofort nach oben und ist bis 118,29 gelaufen — das war eine schöne Summe Geld. Ich handelte 30 Kontrakte. Bei 116,25 habe ich mich entschlossen, Gewinne mitzunehmen. Das war kurz unterhalb von Punkt 2. Ich habe meinen Stopp auf Break-Even gezogen und von da an immer enger nachgezogen, bis ich schließlich bei 117,29 den Rest der Position geschlossen habe. Insgesamt war das ein äußerst lukrativer Trade. Wirklich perfekt. Es war genau das Chartmuster, nach welchem ich gesucht habe. Wenn ich daneben liege, gehe ich sofort raus.
TRADERS: Hast Du keinen Anfangsstopp benutzt?
Ross: Doch. Er lag bei 114,11. Insgesamt war das ein Trade mit niedrigem Risik
TRADERS‘: Benutzt Du so etwas wie Money- oder Risiko-Management?
Ross: Ich mache alles etwas anders als alle andern. Vielleicht gibt es Leute, die es so machen wie ich, aber ich habe nie jemanden von ihnen getroffen. Ich lasse Preisziele und Stopps von meinem Computer berechnen, also sind diese immer unterschiedlich. Ich versuche das zu erklären. Wenn so eine Trader‘s Trick Situation auftaucht — in diesem Markt und diesem Zeitfenster — wie viel Geld kann ich sofort machen, bevor wir überhaupt den Punkt Nummer 2 erreichen? Sobald ich herausgefunden habe, mit wie viel Gewinn ich rechnen könnte, werde ich dies auch sofort zur Berechnung des Stopps verwenden. Ich bin bereit, dieselbe Summ zu riskieren, die ich gewinnen möchte. In diesem speziellen Trade musste ich nicht einmal so viel riskieren, denn ich hatte eine sehr günstige Ausgangssituation am 26. Februar. Ich hätte auch mehr riskiert, wenn es denn nötig gewesen wäre. Wenn ich einmal weiß, wie viel ich gewinnen kann, dann frage ich mich, wie oft mir dies wohl gelingen würde. Angenommen ich könnte 1000 Dollar riskieren. Jedes mal, wenn eine solche Situation entsteht — wobei ich sagen kann, dass ich sieben von zehn Mal gewinne — dann ist es wirklich nicht mehr schwierig, zu ermessen, wie groß mein Risiko sein kann. Wenn ich 1000 Dollar gewinne, dann kann ich auch 1000 riskieren, wenn ich in 70 Prozent der Fälle Gewinn mache.
TRADERS‘: Du verlässt dich also ausschließlich auf Deine Trefferquote?
Ross: Ja. Das macht es mir sehr leicht. Ich brauche keine solche Dinge wie Optimal F oder was auch immer man da benutzt. Ich bin Legastheniker, kann keine Zahlen sehen. Das ist also die einzige Mathematik, die mir wirklich zusagt. Ich verstehe es und es funktioniert auch echt gut. Für mich macht das Sinn.
TRADERS‘: Das ist das Wichtigste: Es muss funktionieren und man muss es verstehen.
Ross: Genau. Du musst das tun, was du erkennen kannst, was du verstehen kannst und womit du zurecht kommst. Ich kenne niemanden, der sich ernsthaft mit dem Handelsansatz eines anderen wohl fühlt. Letztendlich muss es ganz und gar dein Ansatz werden. Wenn du ihn in deine Persönlichkeit einwickelst und fest davon überzeugt bist, dann kannst du dich voll und ganz dahinter stellen. Ganz fest in deinem Kopf weißt du, dass du als Sieger vom Feld ziehen wirst, wenn du dich daran hältst.
_________________ Noel |
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