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Der disziplinierte Trader

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Noel
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Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum : 27 Aug 2007
Beiträge : 403

BeitragThema: Re: Der disziplinierte Trader   Mi Mai 07, 2008 10:34 am

(Teil3)

TRADERS‘: Welche möglichen Gefahren können während des Tradens auftreten?

Ross: Die größte Gefahr ist das Over-Trading. Dies kann auf viele Arten geschehen. Man kann zu viel Geld, verglichen mit dem gesamten Handelskapital, einsetzen. Das erhöht das Risiko enorm. Man kann aber auch zu viele einzelne Trades ausführen. Das ist auch, was die meisten Day-Trader machen: Sie gehen rein und raus und wieder rein und wieder raus — ohne einen ernsthaften Plan zu verfolgen. Wenn du zu schnell handelst, zum Beispiel unmittelbar, nachdem wichtige ökonomische Daten veröffentlicht wurden, dann kann dich das Kopf und Kragen kosten. Wenn du siehst, dass sich die Tick-Größe erhöht, fünf oder zehn Stück auf einmal statt einer — dann hast du ein viel höheres Risiko. Außerdem kann man das Risiko erhöhen, indem man im Gewinn liegende Positionen aufstockt, vor allem dann, wenn die Märkte keine richtigen Trends aufweisen. Mit jeder zusätzlichen Position gerät man mit dem sich dann ergebenden durchschnittlichen Kaufkurs näher an das Ende der Bewegung. Wenn man keinen Plan hat ist das natürlich auch gefährlich.

TRADERS: In welchem Zeitrahmen handelst Du? Benutzt Du ausschließlich Tagescharts?

Ross: Seit 2003 habe ich keine 5-Minuten-Charts mehr benutzt. Da ist das Rauschen einfach zu intensiv. Da fühle ich mich nicht wohl. Ich benutze 15-, 30, und 60-Minuten- Charts und Tick-Charts. Nach oben hin handle ich auf Tages und Wochencharts. Zur Zeit handle ich Bond-Optionen auf Wochenchartbasis. Das ist wunderschön. Letztes Jahr hatte ich keinen einzigen Verlierer. Schöne Volatilität und nette Optionsprämien. Sobald ich die Hälfte meines Einsatzes wieder drin habe, sammle ich das Geld ein. Auf diese Weise kann ich vielleicht ein- bis zweimal die Woche Bond-Optionen handeln. Es klappt richtig gut.

TRADERS: Dann hast Du die Gier in den Griff bekommen, wenn Du sagst, dass du einfach raus gehst, sobald Dein Ziel erreicht ist und mit dem Trade zufrieden bist?

Ross: Und ob. Der Rest ist für Dich. Kannst ihn haben. Ich bin nicht egoistisch.

TRADERS‘: Danke! Was war der schlechteste Trade, den Du jemals hattest?

Ross: Werde ich nie vergessen. Damals habe ich auf den Bahamas gewohnt. Ich hatte einen Schüler bei mir, einen Broker. Ich war im S&P 500 short positioniert — und zwar mit dem großen Kontrakt, der 500-mal so groß ist wie der Index. Ich war von meinem Schüler abgelenkt und habe nicht so gründlich auf den Markt geachtet. Er hat sich von mir fortbewegt und ich habe innerhalb von 20 Minuten 54000 Dollar in den Sand gesetzt. Das tat weh. Weniger finanziell, das war nur ein kleiner Teil meines Kontos, aber es hat mein Ego verletzt. Das war der größte Verlust, den ich jemals erlitten habe.

TRADERS‘: Hast Du irgendetwas daraus lernen können?

Ross: Ich habe gelernt, den Fokus zu bewahren und mich zu konzentrieren, nicht unbedingt zu traden, während jemand neben dir sitzt und du versuchst, ihm was beizubringen. Ich denke mal er hat auch gelernt, was er nicht tun sollte.

TRADERS: Vielleicht war es für ihn auch schlimm.

Ross: Weniger. Erwarsichtlich beeindruckt, dass ich so einen Schlag aushalten und ruhig bleiben konnte. Nachdem er gegangen ist bin ich durch die Decke, aber so lange er da gewesen ist, habe ich mich zusammengerissen.

TRADERS: Hast Du ein Beispiel für eine richtig harte Trading-Entscheidung? Kannst Du Dich an eine bestimmte Situation erinnern, die Dein Können wirklich herausgefordert hat?

Ross: Ja, vor einigen Wochen ist mir so etwas passiert. Ich habe Put-Optionen auf den Schweizer Franken verkauft und sie sind echt toll gelaufen. Der Schweizer Franken stieg, die Optionen wurden wertlos und darüber war ich sehr froh. Ein Stück drüber habe ich wieder Optionen geschrieben und wieder liefen sie hervorragend. Dann wurde ich unvorsichtig und schrieb Calls. Der Schweizer Franken aber explodierte nach oben. Es ging wirklich extrem aufwärts an diesem Tag, kurz vor dem Verfallsdatum am 7. März. Der Franken setzte die Bewegung fort und durchbrach meinen Ausübungspreis. Damit saß ich in der Klemme. Ich musste einsteigen und den Schweizer Franken daytraden um da wieder heraus zu kommen. Ich habe es hinbekommen, aber es war wirklich heftig. Dann wurde irgendein Bericht veröffentlicht und der Markt ist durchgedreht. Ich bin eingestiegen und long gegangen. Ich habe 14 000 Dollar Gewinn gemacht und das hat mir ein gewisses Polster für die Calls beschert. Dann allerdings ist der Kurs ein wenig zurückgegangen und den Rest des Tages um den Strike-Preis gependelt. Den nächsten Tag war ich dann knapp im Geld. Ich glaube mit den Calls habe ich trotzdem insgesamt 9000 Dollar verloren, aber ich hatte ja 14 000 um dagegen zu halten. Das war echt so eine Geschichte. Ich habe um mein Leben gekämpft. Aber es hat geklappt. Manchmal jedoch macht man scheinbar alles richtig und scheitert trotzdem.

TRADERS‘: Welche Qualitäten benötigt ein Trader?

Ross: Naja, die Liste ist lang, aber ich gebe Dir mal ein paar — neben Disziplin und Selbstkontrolle. Ich gebrauche gerne die Worte fleißig, konstant und beständig. Mehr denken, weniger traden. Habe die nötige Geduld, um abzuwarten bis du wirklich weißt, was du tust. Die fünf Set-Ups, die ich benutze, wurden über Jahre hinweg sehr gründlich ausgearbeitet und ich weiß genau, wonach ich suchen und wie ich es traden muss. Bei dem, was ich tue, fließt eine Menge Denkarbeit mit ein. Sei konstant und halte dich an deinen Plan.Wenn du ihn ändern musst, warum nicht? Es ist okay. Du musst immer am Ball bleiben. Du solltest ein Trading-Tagebuch führen, um deine Fehler zu finden. Manchmal kommt man vom rechten Wege ab und dann kann es sehr mühselig sein, den Weg zurück zu finden, aber wenn man ein Trading-Tagebuch führt, dann wird dies gelingen. Es gibt zwei Arten, auf welche die Dinge falsch laufen können, und an beiden ist man selbst Schuld. Die eine ist, mit dem aufzuhören, was man tut, wenn man gewinnt. Man beginnt zu experimentieren, dieses und jenes auszuprobieren. Das andere ist, dass sich die Märkte verändern, aber man selbst nicht. Das sieht man häufig bei Systemhändlern.

TRADERS‘: Du erwähntest, dass man einen Plan haben müsse. Wie sieht Deine Planung aus? Steckst Du Dir Ziele, zum Beispiel wie viel Gewinn Du in einem Jahr machen möchtest?

Ross: Mit Zahlen kann ich nicht so gut umgehen, also lege ich kein Jahresbudget fest. Ich weiß ja, dass ich genug Geld mache und mir darum auch keine Sorgen machen muss. Ich könnte nicht sagen, wie viel Gewinn ich in einem Jahr mache. Du müsstest meine Frau fragen. Es reicht. Ich habe einen einfachen Lebensstil. Ich habe keine verrückten Dinge, keinen verrückten Sportwagen. Das hatte ich alles einmal, aber irgendwann konnte ich nichts mehr daran finden. Zu aufwändig. Meine Planung umfasst zum größten Teil mein aktives Trading. Ich schaue mir die Märkte an und möchte etwas finden, was regelmäßig passiert. Ich möchte herausfinden, wie viel Profit ich daraus schlagen kann, wenn dies eintritt. Wenn ich das weiß, werde ich mich immer mit etwas weniger zufrieden geben. Dadurch kann ich mir so gut wie immer sicher sein, dass ich auf jeden Fall in sieben von zehn Fällen Gewinn mache, manchmal sogar in neun. Dann weiß ich auch, wie viel ich riskieren kann. Es ist eine Frage des Studierens der Märkte — und dass man sich nach Gelegenheiten umsieht. Das ist der Plan!

TRADERS‘: Was hältst Du von Indikatoren, Bollinger-Bändern, Gann, Fibonacci oder Wilder? Benutzt Du solche Dinge?

Ross: Manchmal hab ich den einen oder anderen Indikator benutzt. Manchmal. Elliott-WelIen sind meiner Ansicht nach totaler Schwachsinn, völlige Zeitverschwendung. Ich respektiere diejenigen, die das benutzen. Wenn sie damit Gewinn machen — schön für sie! Ich kann das nicht. Ich kann auch mit dem Gann-Kram nichts anfangen. Fibonacci allerdings ist recht hilfreich, denn ich weiß, was die Fibonacci-Jünger so handeln. Diese Jungs sind wie ein offenes Buch. Wenn ein 50-Prozent-Retracement auftaucht, kommen sie aus ihren Löchern. Das kann ich mir zum Vorteil machen.

TRADERS: Gibt es eine Ordnung in den Märkten?

Ross: Ja, ich denke es gibt eine gewisse Menge an Ordnung. Je weiter man in der Zeit nach oben geht, desto mehr beginnt man, diese Ordnung zu erkennen. Nimm dir mal einen beliebigen Quartalschart. Es gibt sie. Auf einem 5-Minuten-Chart gibt es von ihr nicht gerade viel. Gute Langzeit-Trader beginnen ihre Analyse mit Jahrescharts, dann sechs Monate, Quartale, Monate, Wochen und am Ende führen sie vielleicht auf Tagesbasis einen Trade aus. Sie haben wirklich eine Ahnung davon, was vor sich geht.

TRADERS: Also kann diese Ordnung mit der langfristigen Trendrichtung verglichen werden?

Ross: Wenn der Markt steil nach oben geht, ist die einzige Möglichkeit, diese Gewinne mitzunehmen, zu verkaufen.

TRADERS‘: Du wurdest also behaupten, dass sich Märkte sozusagen in Zyklen bewegen?

Ross: Ja, so kann man es gut beschreiben.

TRADERS‘: Gibt es noch etwas, was Du hinzufügen möchtest? Letzte Worte?

Ross: Ja. Ein Wort: Denke! Nicht nur Traden. Denken! Denk dir die Dinge durch. Die meisten Menschen sind so ungeduldig, dass sie es gar nicht erwarten können, da rein zu gehen und ihr ganzes Geld zu verlieren. Wenn du wirklich nachdenkst und dir einmal die ganze Werbung und die ganzen Marketing-Techniken ansiehst, die es gibt, um Leute zum Trading zu bewegen — wenn du darüber nachdenkst, dann musst du doch darauf kommen, dass es so einfach nicht sein kann. Jeder lässt es so simpel und einfach aussehen. Wenn es das aber wäre, warum würde dann überhaupt noch jemand etwas anderes machen? Wir könnten alle Trader sein und den Chinesen die ganze Arbeit überlassen. Es ist nicht einfach. Die meisten privaten Trader, über 89 Prozent, verlieren Geld. Das tut weh. Wir hier bei Tradingeducators versuchen, dies zu ändern. 82 Prozent unserer Schüler machen Gewinn. Es scheint, als würden wir etwas richtig machen. Ich bedaure diejenigen sehr, die Geld verlieren, aber die meisten verlieren alles, bevor sie überhaupt dazu in der Lage sind, zu uns zu stoßen. Trading unterscheidet sich nicht sonderlich von einem anderen Unternehmen.
Man braucht Kapital, Know-How und Erfahrung. Bis man all dies besitzt, ist alles ein Investment. Man investiert entweder Geld, Zeit oder beides. Zeit ist Geld — da ist schon etwas dran. Wenn du kein Geld hast, musst du deine Zeit investieren. Und noch etwas möchte ich hinzufügen. An all eure Leser und jeden, der diese Information erhält:
Ich wünsche euch das allerbeste für Euer Leben und Euer Trading.

TRADERS‘: Dann im Namen all unserer Leser und eines jeden, der diese Information erhält: Danke, Joe. Danke für dieses großartige Interview.

_________________
Noel
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Anmeldungsdatum : 27 Aug 2007
Beiträge : 295

BeitragThema: Re: Der disziplinierte Trader   Mi Mai 07, 2008 12:47 pm

THX
Danke, @Noel !!! Super
Das war nicht nur lehrreich, sondern auch inspirierend!

"(...) Zeit ist Geld (...)"
Das erklärt noch viel besser, was ich neulich sagen wollte (zu @Kurt. Hatte mein Problem mit "Zeit" wohl missverständlich formuliert).
Gucken

auslach Zeitprobleme, mal anders ... + anders gelöst
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Anmeldungsdatum : 27 Aug 2007
Beiträge : 295

BeitragThema: Re: Der disziplinierte Trader   Mi Mai 07, 2008 7:16 pm

Nun hoffe ich doch von Herzen, nix Schlimmes angerichtet zu haben ...
Rolling Eyes
->
"Laßt uns eine Aktie (...) auswählen und jeder schreibt, wie er den Versuch, mit diesem Wert Geld zu verdienen, angehen möchte."

@Kurt: Ja, macht das doch bitte. Ich wollte diesen Versuch (den ich für sehr sinnvoll erachte, was das Kognitive angeht) keinesfalls abwürgen - wollte (und kann natürlich) wirklich nur für mich ganz allein sprechen.
Und ich schaue es mir auch gern - quasi von der Seitenlinie aus - an; so bleiben dann die Emotionen außen vor und gewiss werde ich der Diskussion auch etwas abgewinnen können.
:look:
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Kurt Seifert
Long-Trader
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BeitragThema: Re: Der disziplinierte Trader   Mi Mai 07, 2008 10:53 pm

So ganz gewiss nicht.

Es wird, glaube ich, langsam Zeit, daß auch ich einmal etwas von meiner Befindlichkeit und Empfindlichkeit mitteile.

An einem "Vorführen" und "Zugucken lassen" bin ich nicht interessiert, einmal weil es mir nichts bringt und dann auch weil ich mich nicht zum eitlen, profilierungssüchtigen Forums-Kasper eigne, der antritt, seiner Mitwelt eine Kostprobe seines "überlegenen Könnens" zu zeigen. Ich glaube nicht von mir, mehr zu wissen oder mehr zu können als andere.

Lösungen bekommt man durch eigenes Nachdenken und Handeln und nicht von Dritten fertig serviert. Seinen eigenen Stil findet man nicht in den Büchern irgendwelcher Schreiberlinge, wie etwa diesem Mr. Ross, indem man sich die Vorgehensweise aussucht, die man am "Chic-sten" findet, sondern durch praktisches Ausprobieren.

Ob die eigene Meinung richtig ist, zeigen die Ergebnisse der Zukunft. Ob die einige Meinung zum jeweiligen Zeitpunkt die einzig mögliche ist/war, kann man nur im Austausch mit anderen Interessierten und im abschließenden Rückblick herausfinden.

Ihr beiden, Rita und Noel, seit bemerkenswert frei und ausführlich, wenn die Situationsbewältigung unter dem Schutzmantel der Vergangenheitsform stattfindet und das Ganze in der Schutzhütte des allgemein Formulierten verbleibt. Ich will Euch keineswegs drängen, davon abzugehen.

Mark Twain hat einmal sinngemäß gesagt, daß Prognosen stets mit einem Irrtumsrisiko behaftet sind, speziell wenn es sich um solche handelt, die die Zukunft betreffen. Damit muß man umgehen können.

Kurt
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Noel
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BeitragThema: Re: Der disziplinierte Trader   Do Mai 08, 2008 9:48 am

Doch so auch nicht…
bitte Kurt, es drängt dich niemand gegen deine Befindlichkeit zu agieren.

Ich mache mir meine Gedanken um meine eigenen Ansätze. Wenn du möchtest kann ich dir einen gerne zur Ansicht per Mail zuschicken. Dieser ist aus den Bildern der Vergangenheit entstanden. Die Zeit und Versuche andere zu kopieren habe ich hinter mir. Das Ross-Interview habe ich nicht wegen seines SetUps eingebracht, sondern wegen seiner Erfahrungen zum Thema, darum gibt auch keinen Anlass respektlos von ihm zu schreiben. Die eigene Meinung zu einem Chart kann auch in der Gegenwart, egal welche Richtung, niemals die einzige sein, es käme kein Handel zustande. Es geht darum die größere Wahrscheinlichkeit auf seiner Seite zu wähnen.
_________________
Noel


Zuletzt von Noel am Do Mai 08, 2008 2:35 pm bearbeitet, insgesamt 1 mal bearbeitet
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Anmeldungsdatum : 27 Aug 2007
Beiträge : 295

BeitragThema: Re: Der disziplinierte Trader   Do Mai 08, 2008 11:59 am

Ihr beiden, Rita und Noel, seit bemerkenswert frei und ausführlich, wenn die Situationsbewältigung unter dem Schutzmantel der Vergangenheitsform stattfindet (...).
Meinst Du das in Bezug auf Prognosen?
Ansonsten versteh' ich den Satz nicht.
wg./Prognosen: Die Börse ist schon widersprüchlich. Auf der einen Seite ist das setup natürlich entscheidend für den Ausgang eines trades, auf der anderen kann auch ein guter Trade im Verlust enden, wenn man sich an seinen Plan gehalten hat u. ausgestoppt wurde, und Verluste sollten einen mit einer funktionierenden Strategie normalerweise gar nicht tangieren.
An diesem Punkt bin ich noch nicht ganz. Denken tu' ich es natürlich schon, dass Verluste dazu gehören, und ich bin dabei, es ganz in mein trading zu etablieren.
Ich musste erst lernen, dass ein guter trade mit Verlust enden kann und ein schlechter, plan- und disziplinloser noch wieder in die Gewinnzone drehen kann, was nix an der Einschätzung ändert.

Ich habe oft gehört/gelesen, das Prognosen unnötig seien, eine "Meinung" ganz egal und man sich vom Markt oder der Aktie selbstbewusst (stop-loss) und vertrauensvoll (pyramiding) führen lassen soll. "Meinungen" (wie ich sie zugegebendermaßen noch habe) können einen teuer zu stehen kommen; wozu also dieser hohe Energieaufwand im Suchen/Finden von setups?
Man liest ja immer von langfristig erfolgreichen tradern, dass das setup theoretisch egal sei. Man selbst erfährt dadurch wohl nur so eine Art "Sicherheit", etwas zu tun, was man zu verstehen glaubt; und Sicherheit bedeutet Handlungsfähigkeit, rein psychologisch. Wer tradet schon ins Blaue, Grüne oder Gelbe hinein? Also kann man nahezu irgendetwas traden und wäre mit einem disziplinierten Risk- und Moneymanagement auch so langfristig erfolgreich.
Was hältst Du von dieser These, Kurt?
Ich bin mir nicht sicher, ob es für alle Ansätze gleichermaßen gilt; denke noch immer, setups haben ihre Berechtigung.
____

Letztlich muss und kann natürlich jede/r nur den eigenen Weg (ver)suchen und kann ihn auch nur selber gehen, Ross formuliert es ja auch sehr schön:
Du musst das tun, was du erkennen kannst, was du verstehen kannst und womit du zurecht kommst. Ich kenne niemanden, der sich ernsthaft mit dem Handelsansatz eines anderen wohl fühlt. Letztendlich muss es ganz und gar dein Ansatz werden.
(Dieses Zitat entspricht auch genau meinen Erfahrungen. Hervorhebungen von mir)
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Kurt Seifert
Long-Trader
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BeitragThema: Re: Der disziplinierte Trader   Do Mai 08, 2008 4:25 pm

Zitat:
Ihr beiden, Rita und Noel, seit bemerkenswert frei und ausführlich, wenn die Situationsbewältigung unter dem Schutzmantel der Vergangenheitsform stattfindet (...).
Meinst Du das in Bezug auf Prognosen?
Ansonsten versteh' ich den Satz nicht.


Nein. Das meine ich in Bezug auf Eure Neigung, Euch ausführlich über Euer Seelenleben bei, während und nach früheren Transaktionen auszulassen, aber den konkreten Bezug zum konkreten Vorgang nicht zu verbalisieren.

Mein Interesse hieran ist im übrigen nicht übermäßig. Wir sollten es gut sein lassen.

Die Ausführungen bezüglich "von der Aktie führen lassen, etc." halte ich für Daytrading-Bla-Bla von Leuten, die davon leben, anderen Leuten nutzlose Bücher, Vorträge und Seminare zu verkaufen. Wer so argumentiert und wer so handelt, begibt sich nach meiner unmaßgeblichen Meinung auf das Niveau von Glücksspielen.
Das von Noel an anderer Stelle genannte angebliche langfristige Gewinn-/Verlustverhältnis von 15:85 entspricht übrigens ziemlich exakt der statistischen Gewinnwahrscheinlichkeit beim Würfeln: 1:6.

Da die Chancen eines willkürlichen Aktienkaufes grundsätzlich 1:2 gegen den Käufer stehen ( Die Möglichkeit steigender Kurse steht den negativen Möglichkeiten unbewegter und sinkender Kurse gegenüber), bedarf es unbedingt einer sinnvollen Vorauswahl, um die Erfolgswahrscheinlichkeit zugunsten des Käufers zu verbessern.

Kurt
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Kurt Seifert
Long-Trader
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Beiträge : 85
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BeitragThema: Re: Der disziplinierte Trader   Do Mai 08, 2008 4:27 pm

---es sollte heißen: 1 von 6.
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Atlantis
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Beiträge : 1225
Arbeit/Hobbies : Börse

BeitragThema: Re: Der disziplinierte Trader   Di Mai 13, 2008 8:58 am

Hallo
Da ist ja reges Interesse vorhanden. Bitte beachtet dabei, dass wir Lösungen suchen und finden wollen/werden. Der erste Weg zum „perfekten Trader“ ist die Selbsterkenntnis. Nur wer sich mit seinen Trader-Fehlern befasst wird sich verbessern.

Den größte Traderfehler finden wir in der eigenen Psyche-Disziplin!

Wir kommen noch zu Tradingsignale-Methoden, die jedem etwas nützen. Diese werde ich in einem gesperrten Thread –der nur für unsere aktiven Mitgliedern(Beitrag schreibern) zugänglich wird, ausführlich zeigen.

Fehler von heute – Chancen von morgen:
Ganz gleich, ob wir “aus dem Bauch heraus”, anhand fundamentaler Daten – Chart Technik handeln, Fehltrades werden immer wieder auftauchen und sie gehören zum Gewinnen, wie Schatten zum Licht. Nehmt diese Fehler niemals persönlich – die Börse behandelt uns schließlich nicht ungerecht. Vielmehr sollten Fehler stets als Ansporn verstanden werden, die Ursachen entgangener Gewinne aufzuspüren und in der Zukunft zu vermeiden!


Die drei Belastungsfaktoren des Traders!

Belastungsfaktor 1

ANGST
Eine Chance zu verpassen.
Wieder einen Verlust zu generieren.
Der Markt könnte wegen News, Wirtschaftsdaten drehen.
Selbstzweifel


So bald es um Geld – und gerade an der Börse geht es ja schließlich um sehr viel Geld, pflegen die Emotionen der Anleger überzuschäumen!
Doch da gibt es nur eines – in der Ruhe liegt die Kraft.
Ablenkung, an etwas anderes denken, weg vom PC.
Denn nur wer einen kühlen Kopf behält, kann auf Dauer erfolgreich sein.
Ein anderer Tipp:
Wir brauchen eiserne Disziplin, um mit Gewinnen und Verlusten richtig umzugehen.
Das Problem ist nämlich: Wenn wir einen Buch-Gewinne erzielen, bekommen wir sehr schnell das Bedürfnis, dass Engagement zu verkaufen und sich diesen Gewinn so zu sichern, weil wir fürchten, dass dieses schöne Plus schon morgen wieder verschwinden könnte. Doch das ist natürlich ein großer Fehler! Denn so verpassen wir wahrscheinlich den gesamten Rest einer Kursbewegung und verschenken den größten Teil des eigentlich erzielbaren Gewinns!

Ganz anders sieht das übliche Verhalten bei Kursverlusten aus!
Denn da scheuen sich viele, ihre Verluste durch schnelles und konsequentes Verkaufen zu minimieren. Ganz im Gegenteil bestimmt dann plötzlich die Hoffnung das Handeln. Die Hoffnung nämlich, dass sich die Kurse schon beruhigen, und bald wieder in die richtige Richtung laufen werden. Doch meistens ist die Börse nicht so gnädig.
Wir müssen also den Mut finden, sofort zu verkaufen, wenn erkennbar wird, dass wir falsch liegen.


Selbstzweifel:
Lassen wir uns nicht von der Unmenge unterschiedlicher Meinungen in den Medien durcheinanderbringen. Es ist ja ohnehin so: Für jeden Käufer an der Börse muss es jemanden geben, der diesem Käufer auch etwas verkaufen will. Es ist nur das ein wenig Auf und Ab schwankende Verhältnis zwischen diesen beiden Gruppen und die Entschlossenheit, mit der die Anleger entweder in den Markt hinein oder hinaus wollen, was die Kurse letztendlich nach oben oder unten bewegt.
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Atlantis
Admin
Admin


Geschlecht:MännlichLöweBüffel
Alter : 47
Anmeldungsdatum : 23 Aug 2007
Beiträge : 1225
Arbeit/Hobbies : Börse

BeitragThema: Re: Der disziplinierte Trader   Sa Mai 24, 2008 7:00 pm

Belastungsfaktor 2
GIER
Keine Chance zu verpassen
Position zu groß
Hochspekulative Optis/Zertifikate
Alles oder nichts


Belastungsfaktor 3
SUCHT
Zu viel, zu lange am PC
Zu viele unterschiedliche Aktien
Keine Chance zu verpassen


Da beide weiteren Belastungsfaktoren SUCHT, ANGST, eng miteinander korrelieren, werden sie in einem Thema behandelt.


Keine Chance zu verpassen
Es gilt den Markt – ob Aktien oder Indizes auf Einstiegschancen hin zu beobachten. Meistens bieten sich 1 bis 2 solcher Einstiegschancen im Intradytrading an. Auf diese zu warten lohnt sich. Wer darauf nicht achtet kann rasch im Minus mit seiner Position landen.
Viele Anleger greifen schon vor einem ihrer Meinung nach sicher bevorstehenden Kauf- oder Verkaufssignal zu, um nach Möglichkeit noch mehr Gewinn zu erzielen. Doch oft dreht ein Indikator auf seiner Signalline wieder in die Gegenrichtung. Geduld und Gelassenheit machen sich also wirklich bezahlt!


Hochspekulative Optis/Zertifikate
Es ist natürlich richtig, dass man mit Optionen und Futures weitaus mehr Gewinne erzielen kann, als mit normalen Aktieninvestments. Der Nachteil hat jedoch den gleich großen Hebel.
Wer hierbei kein klares Handelskonzept und nötige Erfahrung besitzt lässt besser die Finger davon. Der Versuch Verluste so rasch wieder aufzuholen ist mit Sicherheit der falsche Weg.


Position zu groß
Ein wichtiger Hinweis für dauerhafte, langfristige Erfolge klingt eigentlich ganz einfach: Man fängt langsam an!
Pyramidisieren ist eines meiner bevorzugten Strategien beim Einstieg. Beim Ausstieg aus größeren Positionen ist diese Methode ebenfalls eine gute Möglichkeit.
Mir ist lieber eine Teilposition bewusst zu verkaufen als sie durch einen Stopp zu liquideren.


Alles oder nichts
Wer alles auf eine Karte setzt, kann viel Gewinnen aber auch alles verlieren.
Blind darf man niemals so agieren. Mit dem nötigen Wissen kann man seine Position bei optimalen Signalen deutlich anheben. Dafür ist jedoch ein „disziplinierter Trader“ nötig!


Zu viel, zu lange am PC
Das bezieht sich natürlich auf das Traden.
Das war einer meiner großen Gewinnkiller!
Wenn man stundenlang auf seiner Handelsmaske das Auf und Ab der Position betrachtet, kommt man rasch in die Versuchung, bei jedem kleinen Signal zu verkaufen oder kaufen. Man ist rasch in einem Teufelskreis der einem die Objektivität raubt.


Zu viele unterschiedliche Aktien
Auch da bin ich der Meinung weniger ist mehr. Ein gewisser beobachtungszeitraum sollte vor einem Einstieg vorangegangen sein.


Wenn Ihr dazu noch etwas hinzufügen möchtet, macht bitte regen Gebrauch davon. Tup

Leitfaden: Nächstes Thema
WRWR = Wann rein, wann raus.

MfG
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Der disziplinierte Trader

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